Saturday, 4 June 2016

[Blogstöckchen] Braver Hund!

Da hat der alte Junge doch tatsächlich was ins Haus geschleppt! Und wo hat er es gefunden? Na, auf Greifenklaue's Blog, da stromert er ja gern mal herum. So, und was isses? Hm, ein Stöckchen. Mit Fragen drauf!? Ts, ts, ts, auf Ideen kommen die Leute...


1. Was hältst du von der OSR (Old School Revival)?
Zunächst einmal: mir gefällt "Old School Renaissance" deutlich besser als "Revival"? Heißt zwar beides das Gleiche, aber Renaissance hat den schöneren Klang. Und das soll schon was heißen, schließlich bin ich eher ein Freund des Englischen als des Französischen. Aber genug drum herum geredet. Als Knacker, der halt in jener "wiederbelebten" Ära groß geworden ist und sich Rollenspiel beigebracht hat, bedeutet OSR etwas sehr positives. Es ist alles in allem eine Rückbesinnung auf die goldene Ära des Hobbys, in der die Grundpfeiler des Hobbys entstanden. Und in der man in meinem Alter zumeist die prägendsten Momente seiner Rollenspielzeit verortet. Alles war noch aufregend, neu und unerforscht. Die OSR-Bewegung oder -idee hat es geschafft, einen Teil dieser "Unschuld" zurückzubringen und sie neuen Spielern zugänglich zu machen. Sie orientierte sich an der Maxime "rulings not rules". Nicht für jede Eventualität eine Regel, sondern dem SL die Macht, informierte Entscheidungen über unklare Spielsituationen abzuleiten. Mut zur Lücke auf dem Charakterbogen, Phantasie vor Spielwerten.

2. Stört es Euch, wenn jemand euch beim Spielen zusieht?
Sofern nicht das royale "Euch" gemeint ist, kann ich nur für mich sprechen: ja, es stört mich im Allgemeinen schon. Auf CON-Runden oder bei Vorführspielen natürlich weniger, aber bei privaten Spielen bedeutet es immer einen Störfaktor, so gering er auch sein mag.

3. Welches Rollenspielprodukt hat dich persönlich am meisten geprägt?
Dungeons & Dragons. (Hier bitte den Klang eines himmlischen Chors einsetzen). Es war und ist der Sternenstaub, aus dem sich alle anderen Rollenspiele herausgebildet haben.

4. Was ist die beste Regel, die dir je in einem Rollenspielsystem untergekommen ist, welches die schlechteste?
Best: Generell das Konzept der Zufallstabellen zur Ermittlung von Ereignissen oder Begegnungen. Eine ganze Welt aus Möglichkeiten in Listenform. Fantastisch.
Worst: "Player Empowerment" auf der Metaebene des Spiels, welches versucht, Spieler irgendwie zu Mit-SL, Aktionären oder Regisseuren mit einflußreichen "Erzählrechten" zu machen. Für mich ein einziger Clusterfuck.

5. Warhammer Quest oder Advanced Heroquest?
Nach einem Probespiel "Silver Tower" vor ein paar Tagen würde ich sagen: Warhammer Quest.

6. Wenn ihr von all euren Rollenspielen nur eine Edition behalten könntet – und zwar für alle die mit der gleichen Editionsnummer (also zum Beispiel Shadowrun 5 und D&D 5 und DSA 5, aber nicht Shadowrun 2, D&D 3 und DSA 4), welche wäre es?
Ich verstehe die Frage so nicht, wie sie oben gestellt ist. Vermutlich ist gemeint, daß wenn man nur eine Edition all seiner Rollenspiele behalten dürfte, dies für alle Rollenspiele die numerisch gleiche Edition sein müsste.
Bei dem Umfang einiger meiner Sammlungen wäre es in diesem Falle wohl die zweite Auflage (wenn ich da allein auf mein AD&D-2nd-Edition-Regal blicke).

7. Glaubst du an Immersion und wenn ja, was ist für dich immersiv?
Das ist keine Glaubensfrage. Immersion ist der primäre Grund, warum ich spiele. Immersiv ist für mich, wenn Bilder der aktuellen Szene lebhaft in meinem Kopf entstehen und ich mich um ein Wesen aus Papier und Bleistifteintragungen (oder Druckerschwärze) zu sorgen beginne.

8. Wenn du heute nochmal eine Spielrunde starten könntest, die inhaltlich und vom Stil her genau so läuft wie deine allererste, würde das funktionieren? Warum?
Nein. Die Unschuld und Naivität habe ich verloren.
Falls es eher methodisch oder formell gemeint ist: ja, das würde es. Verliese erforschen, Monster bekämpfen und Schätze einsammeln faszinieren wie eh und je.

9. Was vermisst du heute am Rollenspiel, was vor 20 Jahren (bzw. in den ersten Jahren, als du angefangen hast) noch anders und viel besser war?
Rollenspiele waren früher nicht notwendigerweise besser. Es ist eher die Erosion an mir selbst, die einiges abgestumpft hat, was vor 20 Jahren noch empfindsamer war.

10. Welche Settings sind im deutschsprachigen Raum deiner Meinung nach völlig unterrepräsentiert?
Vieles passiert in den letzten Jahren, was mich fröhlich stimmt. Fantastische Nischen-Settings finden dank engagierter Verlage, Fans und der Macht des Crowdfunding ihren Weg in die deutsche Sprache und auf den deutschen Markt. Falls wir hier bei Wünsch-Dir-Was wären, würde ich für einige ältere Kampagnenwelten von TSR und mehr Superhelden-Settings plädieren!


So, braver Junge, aber nun werfe ich das Blogstöckchen Richtung MONDBUCHSTABEN, Jaegers.Net und Michael vom Antiquariat Barth. Such!