Tuesday, 6 August 2013

FATALIS - Mach's Dir doch selbst!

Sich selbst nach 30 Jahren Rollenspiel-Hobby noch immer überraschen und wie ein Kind freuen zu können, das ist etwas, daß mich verblüfft und gleichzeitig zutiefst befriedigt. So geschehen am vergangenen Wochenende zu Gast bei meinem befreundeten Arbeitskollegen Olaf G. in einem kleinen Ort bei Königslutter.

Ich hoffe, der Name ist im Spiel nicht Programm! ;)
Zur Vorgeschichte: vor Monaten kam ich mit Olaf auf der Arbeit durch einen Zufall ins Gespräch über Rollenspiele. Da bei mir nämlich jeden Tag "Lies-ein-RPG-Buch-in-der-Öffentlichkeit-Tag" ist, lag ein solches auf meinem Schreibtisch während der Mittagspause. Darauf angesprochen stellte sich schnell heraus, daß auch mein Namensvetter ein großer Spielefan ist. Insbesondere Brettspiele hatten es ihm angetan, aber auch das Fantasy-Rollenspiel hatte er zumindest mal gestreift. Und wie man so schnackte, erwähnte er fast beiläufig, daß auch er ein Spiel entwickelt habe, daß so in die Richtung ginge. Er versprach Fotos. Ich war gespannt.

Als er diese kurze Zeit später lieferte, war ich baff erstaunt. Auf den Bildern zeigte sich mir ein üppiges, mit viel Liebe und Bastelarbeit erstelltes Table-Top-Gelände nebst 4 mysteriösen schreibpultartigen Aufbauten. Damit hatte ich nicht gerechnet - mein Interesse war geweckt und wir vereinbarten ein Treffen, damit ich das mal in Augenschein nehmen und - natürlich! - spielen konnte. Auch erzählte ich ihm von meinem Blog und Olaf war daran interessiert, daß ich dort über sein Spiel berichte.

Leider platzte der erste Termin und es dauerte aus verschiedenen Gründen tatsächlich bis jetzt, eh ich mit einem weiteren Freund den Weg zu ihm fand. Das Spiel konnten wir mangels weiterer Mitspieler zwar noch nicht spielen und wir haben Olaf stattdessen das Rollenspiel schmackhaft gemacht, aber meine Begeisterung war vollkommen neu entfacht, als ich mir vor Ort ein erstes, "echtes" Bild von dem Aufwand und der Detailliebe machen könnte, die Olaf in sein Spiel "FATALIS" gesteckt hat - und seit 10 Jahren steckt! Im Folgenden versuche ich kurz wiederzugeben, was er mir zu seinem Spiel sagen konnte.

Der Helden vier. Tradition muß sein!

Hier sieht man die Kanten der drei einzelnen Geländeplatten.
In der derzeitigen Fassung muß man es mit 4 Spielern spielen, da es nur in dieser Konstellation ausbalanciert und getestet ist. Jeder Teilnehmer übernimmt die Rolle einer Table-Top-Heldenfigur (Amazone, Paladin, Zwerg und Zauberin), mit der er aus einem Heimatdorf auszieht, um eine Queste zu bestreiten und in ein fernes, eisbedecktes Land zu reisen. Jeder Reiseabschnitt besteht aus drei Table-Top-Platten, die nebeneinander gelegt den "Level" ausmachen. Sobald sich die Spielerfiguren in einen neuen Abschnitt (sprich: Platte) bewegt haben, werden die dortigen Gegner sichtbar. Diese werden übrigens - ähnlich wie es kürzlich die D&D-Boardgames machten - komplett über ein Zufallssystem (u.a. mit Würfeln) gesteuert, also z.B. wohin sie gehen und welche Manöver sie versuchen.

Die Amazone mit der coolen Spezialfähigkeit "Gelenkter Pfeil" (siehe auch: "The Gamers" *grins*).
Von Elsuram geht es zunächst südlich um die Gebirgskette.
Der Rollenspielfaktor kommt dann ins Spiel, weil jeder Held Erfahrung sammeln kann und sich in seinen Fähigkeiten verbessert. Zusätzlich hat jeder Held eine Spezialfähigkeit, die laut Olaf klug eingesetzt werden muß, um überhaupt eine reelle Chance zu haben, den nächsten Level zu sehen. Also nix für Weicheier, das Spiel. Verwalten kann man seinen Helden über ein kleines Pult, auf dem alle relevanten Spielinformationen hinterlegt sind und Veränderungen - da mit Folie beschichtet - mit abwischbaren Stiften eingetragen werden können. Selbstgebastelte Spielkarten, Drehrädchen und Fächchen, die zum Ablegen von gefundenen Gegenständen dienen, bieten dann weitere Hingucker. Ich denke, die Fotos sprechen für sich (leider sind sie etwas unscharf und zu dunkel geraten, das werde ich beim nächsten Besuch besser machen).

Als wäre dieser Wahnsinnsaufbau noch nicht genug, erzählte mir Olaf, daß sich die drei Geländeplatten für jeden Level auswechseln lassen (so folgt u.a. noch ein Wüstenabschnitt mit eigener Stadt!). Sein Fortkommen kann man übrigens auf einer Weltkarte ablesen. Das Spiel läuft auch in Echtzeit ab, eine umgebaute Uhr zeigt die Tageszeit auf der Spielwelt an und läßt den Helden drei Stunden, bevor die Nacht hereinbricht und ganz neue Gefahren bereithält.
Bis zu einem richtigen Testspiel müssen also erst einmal diese Fotos genügen. Und die haben es wirklich in sich. Wie mir Olaf anvertraute, lieferten eine Vielzahl von Spielen (von Table-Top-, Brett- und frühen Rollenspielen bis hin zu Videogames) die Inspiration für seine Ideen, wobei aber auch viele von ihm ohne Anregung selbst ausgetüftelt wurden. So zeigte er mir einen selbstgebastelten "Setzkasten" mit drei Spalten und sechs Reihen abnehmbarer Täfelchen, die jeweils Frage- und Antwortfelder verdeckten. Dieser soll bei Befragungen von Spielweltbewohnern eingesetzt werden, indem der Spieler dann je nach gewählter Einstellung (aggressiv, neutral oder höflich) ein entsprechendes Täfelchen abnimmt und so die Infos lesen kann, die er erhält.

Das dreieckige Portal, mit dem die Helden schnell ins Dorf zurückreisen können.
Keine Frage, daß ich auf das erste Testspiel schon mehr als gespannt bin. An dieser Stelle aber bin ich bereits von Olafs Arbeitseinsatz und Enthusiasmus bezgl. seines Spiels tief beeindruckt. Toll!