Sunday, 25 November 2012

Befindlichkeiten: D&D 3.5 vs Pathfinder

Irgendwie mag ich Pathfinder nicht (mehr). Derzeit läuft bei mir eine Kampagne, die ich auch zuende führen möchte (Rise of the Runelords), aber danach werde ich mich wohl von diesem System verabschieden. Dabei frage ich mich schon seit einiger Zeit, weshalb ich es zunehmend ablehne.

Ich erinnere mich noch, daß ich allgemein voll des Lobes war, als Pathfinder angekündigt wurde. Die unter 3.5 laufende Kampagne wurde im Einvernehmen mit den Spielern auf Pathfinder Beta umgestellt, um am Playtest zu partizipieren. Es war mit einigem Aufwand verbunden, da crunchseitig einiges angepasst werden mußte. Aber wir zogen es durch und spielen seitdem mit dem d20-System-Erben.

(c) Paizo
Auch, als Golarion angekündigt wurde, äußerte ich mich positiv zu der neuen Kampagnenwelt. Mittlerweile glaube ich, dass mich größtenteils der hübsche, glänzende Anstrich des Neuen geblendet hat. Und wenn Golarion/Pathfinder etwas hat, dann eye-candy galore! Was ich als tolle Hommage an die klassischen TSR-Kampagnenwelten wähnte, erscheint mir nun überwiegend ein lauer Aufguß aus alten Konzepten und Versatzstücken zu sein. Sicherlich, es gibt gute Ideen darin, aber Golarion kann mich einfach nicht langfristig fesseln. Die Welt ist zu sehr "designt" und zu wenig "gewachsen". Die einzelnen Nationen und Regionen wirken wie platzierte Dekorationen aus Schokolade, Marzipan und Sahne auf einer Pizza Tonno. Man kann sich ohne Probleme Schauplätze heraus picken, die insich geschlossen wirken und echt gute Abenteuer-Backgrounds bieten (etwa das Darkmoon Vale), doch im Gesamtzusammenhang sind sie wie Patchwork, gewollt und forciert, mit teils stark varierenden Fortschrittsstufen.

Der andere Punkt betrifft das, was mit allen erfolgreichen Rollenspielen geschieht: sie fressen sich Fett an und gehen in die Breite. Was Pathfinder sich gegenüber D&D 3.5 anschickte zu ändern - nämlich einfacher, klarer und entschlackter zu werden - ist längst wieder unter Tonnen von Zusatz- und Ergänzungsbänden begraben. Dabei ist das weniger ein Vorwurf an Paizo, die produkttechnisch für ein Rollenspiel, welches als Nachfahre zweiten Grades einen Teil der Erbschaft von D&D eingeheimst hat, sicherlich vieles richtig machen. Der Erfolg gibt ihnen nun einmal recht.

(c) Wizards of the Coast
Dennoch konnten viele Mechanismen, die Pathfinder eingeführt hat, zumindest in unserer Gruppe nie so wirklich aufblühen. Anfangs dachte ich, das System der Combat Maneuvers würde Kämpfe in ihrem mitunter statischen Ablauf auflockern, da es auch Impromptu-Aktionen sauber regeln könne, aber dieser Effekt stellte sich nicht wirklich ein. Denn mir erscheint die Mechanik für viele Kampfsituationen unpassend zu sein. Persönlich gefiel mir auch die Regelung für "at will" Zauber der 0. Stufe nicht, da ein taktisches Element damit verloren ging. Für alles und jedes ständig ein Licht, ein Magie Entdecken oder einen +1 Bonus parat zu haben, nimmt für mich mehr aus dem Spiel als auf den ersten Blick erkennbar sein mag. Ein Aufstocken der Sprüche pro Tag wäre imho besser gewesen. Auch die Anzahl der feats wurde nicht etwa bereinigt, sondern blähte sich auf wenigstens das Doppelte auf. Es wurde ziemlich "crunchy".

Aber letztendlich sind das in der Summe - auch jetzt rückblickend - nur Kleinigkeiten. Warum also mir Pathfinder immer weniger gefiel und ich mich für d20-Fantasy-Gaming doch wieder mehr Richtung D&D 3.5 orientiere, kann ich nicht in letzter Konsequenz benennen. Oder verständlich ausformulieren. Das ich in 2013 wieder eine AD&D/OSRIC-Kampagne auf der World of Greyhawk starte, entlarvt mich dann wohl doch einfach als Dinosaurier.

1 comment:

  1. Na dann hoffe ich mal das dich Warhammer in der 3ten Edition nicht zu schnell nervt.

    Ein Unterschied macht es denke ich ob man Spielt oder leitet. Spielen ist einfacher, als Leiter muss man sich die Regeln der letzten 12 Erweiterungen im Kopf halten und das führt auf Dauer zu Stress, und Stress ist der Spaß ihm sein tot.

    Ich kenne Pathfinder und die Welt nicht, ich kenne nur meine eigene Warhammerwelt sehr gut. Und da geht ein Landstrich in den nächsten über und es gibt überschneidungen und vermischungen. Eine Bretone im Imperium zum Beispiel. Eine Rollenspielwelt wo jede Komune für sich dahinwegetiert kann ich mir daher als etwas unbefriedigend vorstellen.

    Quasi geschlossen Geenpools wie in irgendwelchen Tälern in der Schweiz. :)

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