Und wieder habe ich einige meiner Ansicht nach tolle und lohnenswerte Apps für Android im Gepäck, die ich im Laufe der letzten Wochen seit Besitz meines Smartphones geangelt habe. Wie bereits im ersten Artikel dieser Reihe geschrieben, wurden alle Apps auf meinem Samsung Galaxy S3 ausprobiert.
Mighty Dungeons von Laylio Games
Wie schon bei Talisman: Prologue HD, ist auch Mighty Dungeons eine Brettspielumsetzung. Allerdings keine lizensierte, sondern eine freie. Vorbild für Mighty Dungeons war das populäre "rollenspieleske" HeroQuest von Games Workshop. Auch hier wählt man einen von derzeit 9 Charakteren aus (neben den Klassikern sind darunter so abgefahrene wie ein Feuerdämon und ein Steingolem) und begibt sich in eine Abenteuerkampagne. Ähnlich wie auch bei HeroQuest werden hier einzelne Szenarien durch eine Geschichte miteinander verknüpft. In der klassischen Draufsicht tippt man sich in Echtzeit durch die Gänge und Räume, "genießt" Regelumsetzungen wie Fallen und Sichtlinie, öffnet Türen, plündert Räume und kloppt sich mit jeder Menge Monster (die per Silbengenerator individuelle Namen haben, also nicht bloß "Goblin" sondern "Buglagog" oder ähnlich). Die Kämpfe selbst sind dann rundenbasiert. Interessant ist, daß das Kampfsystem zwar so simpel wie beim Brettspielvorbild ist, aber doch ein paar Feinheiten aufweist, u.a. gibt es Trefferzonen. Tippt man auf Gliedmaßen des Gegners, hat man die Chance auf saftige Krits, riskiert aber auch eine höhere Fehlschlagsquote. Besondere Auswirkungen bei Arm- oder Beintreffern sind (mit Glück) Reduzierungen in Angriff oder Verteidigung. Trifft man den Kopf, ist der Schaden deutlich höher und man verursacht eventuell auch den Verlust von Geisteskraft, was sich u.a. auf den Magieeinsatz auswirkt. Denn natürlich kann man auch zaubern, zumindest mit einigen der Klassen (mit manchen Klassen ist das Spiel schwerer als mit anderen, also bestimmt die Wahl der Klasse auch die Herausforderung).
Im Dorf, zu dem man nach Beendigung eines Szenarios (oder jederzeit zwischendurch, wenn man aufgibt) zurückkehrt, kann man Tränke und Ausrüstung kaufen, etwa neue Waffen oder Rüstungen. Sein mühsam erkämpftes Gold muß man aber auch in die Reparatur von Gegenständen stecken, da diese eine begrenzte Anzahl von Anwendungen haben (Waffen und Rüstunge nutzen sich ab). Insgesamt ist Mighty Dungeons ein simples, aber unterhaltsames Hack'n'Slay-Spielchen, daß grafisch liebevoll und hübsch umgesetzt worden ist. Auch der Umfang stimmt und es werden neue Kampagnen entwickelt. Wer gerne HeroQuest-Clones spielt und nicht immer die Mitspieler für eine Tischrunde parat hat, kann hier bedenkenlos zuschlagen. Und wer ganz verzweifelt ist, weil ihm nix für seine Rollenspielrunde einfällt, kann bequem die Dungeonkarten der einzelnen Szenarien z.B. für seine Dungeonslayers-Runde verwenden.
Mighty Dungeons gibt es für Android und iPhone und kostet ca. 2 Euro. Eine kostenlose Demo ist auch verfügbar.
Knights of Pen & Paper von Behold Studios
Nachdem mich Jan von "De Malspöler" in den Kommentaren zu meinem ersten "Appventure"-Artikel darauf hingewiesen hat, mußte ich das Game natürlich mal ausprobieren. Und es ist wirklich unterhaltsam! In Knights of Pen & Paper übernimmt man eine Rollenspielrunde, die mit ihren jeweiligen SL und Charakteren auf Abenteuer ausziehen. Das besondere daran ist nicht die extreme und äußerst charmante Retro-Optik, sondern der Umstand, daß man gleichermaßen im Abenteuer wie auch auf der Metaebene spielt - weil man nämlich seine Spielrunde verwalten muß. Zu Beginn hat man nur zwei Spieler, die man aus einer Liste auswählen kann (jeder hat seine Besonderheiten, etwa Oma, die "laut" ist und damit den Threat-Level ihres Charakters erhöht, oder der kleine Bruder, der quirlig ist und +5 auf Initiative erhält) und dann mit einer Klasse (d.h. Charakter wie Paladin oder Schurke) ausstattet. Am Spieltisch in der Mitte des Bildschirms ist jedoch Platz für 5 Spieler. Diese muß man nach und nach kaufen - durch Dollar, die man während der Abenteuer verdient. Doch nicht nur neue Spieler, auch den Spieltisch kann man den Bedürfnissen anpassen. Ein goldener Spieltisch etwa generiert mehr Gold nach gewonnenen Kämpfen, ein Tisch aus Stein dagegen erhöht die Chance auf kritische Treffer. Auch mit Snacks und Drinks kann man seine Spieler (ergo: Charaktere) bei Laune halten - auch hier hat jedes Objekt andere Auswirkungen. Kekse erhöhen Magie, Cola gibt +1 auf Würfelwürfe. Es ist schräg und sehr lustig. Doch da hört es nicht auf, Mobilar fürs Spielzimmer, Haustiere, Bücher auf dem Spieltisch oder neue Auslegeware sorgen für bestimmte Effekte, die das Spielgeschehen buffen. Und zu guter Letzt kann man sogar den Spielleiter austauschen!
Kommt es während der recht einfach gestrickten Quests zu Kämpfen, kann man die Schwierigkeit selbst bestimmen, indem man zusätzliche Gegner hinzufügt. Die Gefahr steigt, doch die EP und der Loot ebenfalls. Das ganze wird natürlich von den Spielern am Tisch mit witzigen Einzeilern kommentiert. Überhaupt gibt es hin und wieder Dialoge zwischen SL und Spielern, die wohl jedem Rollenspieler ein Schmunzeln entlocken werden - hat man es doch selbst sicher schon einige Male erlebt. Die Kämpfe selbst laufen rundenbasiert ab und je nach Charakterklasse hat man diverse Auswahlmöglichkeiten, was man pro Runde machen möchte. Bei Stufenaufstieg kann man jede Klasse in mehreren typischen Fähigkeiten steigern.
Knights of Pen & Paper ist ein äußerst gelungener Zeitvertreib und birgt eine gewisse Suchtgefahr. Für die herrliche und sehr humorige Umsetzung eines "Rollenspieltisches" allein lohnt sich die Anschaffung.
Knights of Pen & Paper gibt es für Android und iPhone und kostet ca. 2 Euro.
Bit Dungeon von KintoGames
Dieses kleine Action-RPG ist eine Reminiszenz an frühe Japano-RPG-Zeiten, wie "The Legend of Zelda". Mit einem kleinen Charakter wird man in die Mitte eines Verlieses geschmissen, aus dem man nun Level für Level entkommen muß. Dabei kloppt man in Echtzeit Gegner um und nimmt deren Zeugs. Alles sehr klassisch. Gewinnen kann Bit Dungeon durch seine hübsche und sehr saubere 16bit-Retro-Optik und das bis auf einige Abstriche flüssige und intuitive Gameplay. Man tippt an die Stelle des Raumes, wo man hin möchte, und der kleine Held setzt sich in Bewegung. Kreuzt er dabei den Pfad eines Monsters, beginnt er selbständig zu kämpfen. Durch langen Druck auf den Helden aktiviert man seine Verteidigungshaltung, während der er von Geschossen nicht getroffen werden kann. Drückt man länger und wischt dann in eine Richtung, setzt er sein aktivertes Special ein - etwa einen Wirbelangriff oder Blitzschläge. Dieses verbraucht magische Energie, die man - ebenso wie seine Lebenspunkte - durch gefundene Tränke wieder auffüllen kann.
Tötet man Gegner, lassen diese hin und wieder Gegenstände fallen, mit denen man sich ausrüsten und so langsam seine Werte verbessern kann. Nett ist, daß man die unterschiedlichen Waffen, Helme, etc. am Charakter sichtbar sind und dessen Aussehen verändern. Ein Erfahrungssystem ist eingebaut, man definiert sich also nicht bloß über Gegenstände. Was allerdings hin und wieder stört, ist, daß man Gegenstände immer in Truhen findet. Um herauszufinden, was in einer Truhe ist, muß man auf die Truhe tippen und den Finger gedrückt lassen. Da alles recht klein dargestellt ist, taucht der Gegenstand und seine Beschreibung immer unter dem Finger auf, so daß man ihn nur dann einigermaßen erkennen und lesen kann, wenn man den Finger hin und her bewegt und die Verzögerung ausnutzt, bevor der Gegenstand nachgezogen wird. Überhaupt versperren die eigenen Flossen bisweilen die Sicht aufs Geschehen. Davon abgesehen ist Bit Dungeon ein netter Retrospaß und für den kleinen Preis ideal für zwischendurch: Raum von Monstern befreien, Loot und Schlüssel sammeln, Tür aufmachen, nächster Raum - bis zum Endgegner in der letzten Kammer, nach der das Spiel automatisch speichert. Auch ist das Spiel - im Gegensatz zu seinen Vorbildern wie Zelda - nicht besonders anspruchsvoll oder herausfordernd. Allemal also ein "Casual Crawler". Laut Entwicklerseite ist mit "Bit Dungeon II" ein Nachfolger in Arbeit.
Bit Dungeon gibt es für Android und iPhone und kostet ca. 1 Euro.




